Paul Henningsen, in der Designwelt einfach als PH bekannt, war viel mehr als nur ein Lampenbauer. Architekt, Kritiker, Dichter und Publizist, er wurde zu einer der einflussreichsten Figuren des dänischen Kulturlebens im 20. Jahrhundert. Sein Ansatz zum Desi...
Paul Henningsen, in der Designwelt einfach als PH bekannt, war viel mehr als nur ein Lampenbauer. Architekt, Kritiker, Dichter und Publizist, er wurde zu einer der einflussreichsten Figuren des dänischen Kulturlebens im 20. Jahrhundert. Sein Ansatz zum Design war nicht rein ästhetisch – es war eine tiefgreifende soziale und wissenschaftliche Mission, die darauf abzielte, das tägliche Leben der Menschen zu verbessern.
Geboren 1894 in Kopenhagen, wuchs Henningsen in einem intellektuellen Umfeld auf, das sein kritisches Denken förderte. Obwohl er Architektur studierte, erhielt er nie ein Diplom, was ihn jedoch nicht daran hinderte, ein echter Innovator zu werden. Seine Kindheit fiel in die Zeit der Petroleumlichter, die ein sanftes, warmes Licht spendeten. Als die Elektrizität mit ihren grellen, blendenden Glühbirnen aufkam, nahm Henningsen dies als persönliche Herausforderung. Er erinnerte sich oft daran, wie es abends in den Häusern ungemütlich wurde wegen der neuen Beleuchtung, und das motivierte ihn zur Schaffung eines Systems, das moderne Technologien mit dem Komfort der Vergangenheit verband.
Der wichtigste Schritt in seiner Karriere war die langjährige Zusammenarbeit mit der Firma Louis Poulsen, die in den 1920er Jahren begann. Genau zu dieser Zeit wurde die erste Lampe aus der PH-Serie vorgestellt, deren Name die Initialen des Autors trägt und im Laufe der Zeit zu einer weltweiten Marke für Qualität und Stil wurde. Henningsen entwarf über einhundert Lampenmodelle, von denen jedes auf seinem wissenschaftlichen System von drei Schirmen basierte, die direkte Strahlen abblockten und perfektes diffuses Licht erzeugten.
Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört neben der klassischen Tischlampe PH 3/2 besonders die PH Artichoke (Artischocke) und die PH Snowball (Schneeball). Die 1958 für das Restaurant Langelinie Pavillonen in Kopenhagen entworfene Artischockenlampe besteht aus 72 "Blütenblättern", die auf zwölf Stahlbögen angeordnet sind. Diese Konstruktion ist ein Meisterwerk ingenieurtechnischen Denkens: Aus jedem Blickwinkel sieht der Betrachter die Glühbirne nicht, sondern nur das sanfte, reflektierte Licht.
Paul Henningsen glaubte, dass Design demokratisch und zugänglich sein sollte. Obwohl seine Produkte heute als Luxusartikel gelten, versuchte er stets, Dinge für die Menschen zu schaffen. Sein Erbe sind nicht nur schöne Einrichtungsgegenstände, sondern eine ganze Philosophie des Lichts als Instrument für Gemütlichkeit und Wohlstand. Er verstarb 1967 und hinterließ eine Welt, die dank seiner unermüdlichen Suche nach dem perfekten Licht deutlich wärmer und angenehmer für die Augen wurde.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Erscheinen von elektrischen Glühbirnen zu einem echten technologischen Durchbruch, brachte jedoch ein neues Problem mit sich – grelles, ...