FRISTEN (ТЕРМІНИ)8. Jun '26, 16:59 Uhr
Trina: ein vergessenes ukrainisches Wort, das einst jeder Bauer kannte
Die ukrainische Sprache bewahrt viele alte Wörter, die allmählich aus dem alltäglichen Gebrauch verschwinden, zusammen mit der traditionellen ländlichen Lebensweise. Eines dieser Wörter ist „tryna“. Heute kann man es höchstens von älteren Menschen in Dörfer...
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Die ukrainische Sprache bewahrt viele alte Wörter, die allmählich aus dem alltäglichen Gebrauch verschwinden, zusammen mit der traditionellen ländlichen Lebensweise. Eines dieser Wörter ist „tryna“. Heute kann man es höchstens von älteren Menschen in Dörfern hören oder in alten Büchern und Wörterbüchern finden. Doch vor hundert Jahren war die Bedeutung dieses Wortes fast jedem Bewohner eines ukrainischen Dorfes verständlich.
Mit tryna bezeichnete man die kleinen Reste von Heu, Stroh oder Schrot, die während der Lagerung von Futter, der Dreschung oder der Fütterung von Vieh entstanden. Es handelte sich um zerkleinerte trockene Pflanzenreste, die durch die Zeit, Reibung und ständige Nutzung abfielen. Wenn nach dem Winter in den Futtertrögen für Pferde oder Kühe eine kleine trockene Masse übrig blieb, konnte man sie durchaus als tryna bezeichnen. In einigen Gegenden nannte man auch die Spreu, das Schrot oder andere pflanzliche Abfälle so.
Die Herkunft des Wortes ist erstaunlich aussagekräftig. Sprachwissenschaftler verbinden es mit einer alten slawischen Wurzel, die „reiben“ bedeutete. Mit anderen Worten, tryna ist das, was abgerieben, zermahlen oder in kleine Teile zerfallen ist. Es ist nicht verwunderlich, dass in verschiedenen Wörterbüchern neben der Heu- und Schrotbezeichnung auch eine andere Bedeutung des Wortes zu finden ist – Sägemehl. In beiden Fällen handelt es sich um feines Material, das durch die Zerstörung oder Zerkleinerung von etwas Größerem entsteht.
Für den modernen Menschen mag tryna wie etwas Überflüssiges erscheinen. Doch in der traditionellen Landwirtschaft hatte selbst so eine Kleinigkeit ihre Anwendung. Man konnte sie unter das Vieh legen, als Füllmaterial verwenden oder einfach zu den Futtermitteln hinzufügen. In Zeiten, in denen jede Handvoll Heu das Ergebnis harter Arbeit war, wurde nichts ohne Notwendigkeit weggeworfen.
Interessant ist, dass das Wort „tryna“ auch einen deutlichen Eindruck in der ukrainischen Kultur hinterlassen hat. Viele haben den Ausdruck „verloren im tryn-gras“ oder „in das tryn-gras gehen“ gehört. Heute bedeuten diese Phrasen etwas Verlorenes, Vernachlässigtes oder etwas, das an Bedeutung verloren hat. Obwohl Sprachwissenschaftler immer noch über die Herkunft einzelner solcher Ausdrücke diskutieren, ist die Assoziation mit etwas Kleinem, Unauffälligem und Nebensächlichem durchaus verständlich.
Das Wort „tryna“ erinnert auch daran, wie eng die Sprache mit der alltäglichen Arbeit verbunden war. Unsere Vorfahren hatten eigene Bezeichnungen für Dutzende von Arten von Heu, Stroh, Getreideabfällen, Arbeitsgeräten und landwirtschaftlichen Prozessen. Das, was der moderne Mensch einfach „Müll“ oder „Reste“ nennen würde, konnte für den Bauern einen eigenen Namen und praktischen Wert haben.
Heute ist tryna fast aus dem aktiven Wortschatz verschwunden, lebt aber in Dialekten, ethnografischen Aufzeichnungen und alten Wörterbüchern weiter. Solche Wörter sind eine Art sprachliche Artefakte, die helfen, in die Vergangenheit zu blicken und das Alltagsleben der Menschen zu verstehen, die lange vor uns lebten.
Vielleicht liegt genau darin der wahre Wert solcher Wörter. Sie benennen nicht nur Gegenstände oder Phänomene. Sie bewahren die Erinnerung an einen Lebensstil, in dem selbst eine Handvoll abgeriebenen Strohs so wichtig war, dass es dafür einen eigenen Namen gab – tryna.