TIERE (ТВАРИНИ)26. Aug '26, 13:39 Uhr

Warum fliegen Insekten zum Licht und was bringt sie tatsächlich vom Kurs ab

An einem Sommerabend reicht es aus, das Fenster zu öffnen und die Lampe eingeschaltet zu lassen, damit nach einer Weile Schmetterlinge, Mücken, Käfer und andere nächtliche Gäste erscheinen. Sie kreisen um die Lampe, prallen gegen sie, fliegen weg und kehren...

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Dieser Inhalt wurde automatisch aus dem Ukrainischen übersetzt.
An einem Sommerabend reicht es aus, das Fenster zu öffnen und die Lampe eingeschaltet zu lassen, damit nach einer Weile Schmetterlinge, Mücken, Käfer und andere nächtliche Gäste erscheinen. Sie kreisen um die Lampe, prallen gegen sie, fliegen weg und kehren zurück.
Von außen scheint es, als wolle das Insekt einfach nur zum Licht gelangen. Daher die gängige Erklärung: Nachtfalter orientieren sich am Mond und verwechseln die Lampe mit ihm. Doch moderne Experimente zeigen ein viel interessanteres Bild.
Zumindest in der Nähe einer künstlichen Lichtquelle verliert das Insekt oft nicht so sehr die Orientierung zum Licht, sondern das richtige Gefühl dafür, wo oben ist.

Insekten müssen auch wissen, wo der Himmel ist

Um stabil zu fliegen, muss das Insekt ständig die Position seines Körpers im Raum kontrollieren. In der Natur ist der Himmel ein wichtiger visueller Orientierungspunkt dafür.
Im Laufe der evolutionären Geschichte des Fliegens befand sich der hellste Teil des umgebenden Raums normalerweise oben. Selbst nachts ist der Himmel oft heller als der Boden und die Vegetation, insbesondere im kurzwelligen Teil des Spektrums.
Bei vielen fliegenden Insekten gibt es eine bekannte Reaktion, die als dorsale Lichtreaktion (DLR) bezeichnet wird – wörtlich die Reaktion, die Rückenseite des Körpers zum Licht auszurichten. Während des Fluges versucht das Insekt, den oberen Teil seines Körpers zur hellsten Stelle im Raum zu drehen.
Unter natürlichen Bedingungen ist die Regel ziemlich zuverlässig: Das Hellste ist oben – also ist dort der Himmel.
Und dann erscheint die Lampe.

Die Lampe „kehrt den Himmel buchstäblich um“

Stellen wir uns einen Schmetterling vor, der in der Dunkelheit fliegt und neben einer hellen Lampe landet. Für sein Orientierungssystem entsteht eine ungewöhnliche Situation: Die hellste Lichtquelle kann jetzt nicht über ihm, sondern zur Seite oder sogar unter ihm sein.
Das Insekt nutzt weiterhin die Reaktion, die unter natürlichen Bedingungen hilft, den Flug zu stabilisieren – es richtet die Rückenseite des Körpers zum Licht aus.
Hier beginnen die Probleme.
Wenn die Lampe seitlich positioniert ist, neigt sich das Insekt in ihre Richtung, wodurch die Flugbahn verzerrt wird. Es kann anfangen, um die Lichtquelle zu kreisen, anstatt geradeaus zu fliegen. In anderen Situationen hebt das Insekt abrupt den vorderen Teil seines Körpers, gewinnt an Höhe, verlangsamt sich und stürzt ab. Und wenn es direkt über die Lampe fliegt, kann es sich so stark vom Licht abwenden, dass es tatsächlich umkippt und in einen steilen Sturzflug übergeht.
Das heißt, das vertraute Kreisen um die Lampe könnte nicht das Ergebnis eines unwiderstehlichen Wunsches sein, „zum Licht zu gelangen“, sondern eine Folge von Störungen im Stabilisierungssystem des Flugs.

Wie man das sehen konnte

Einer der interessantesten Erklärungen entstand nach einer Studie, die 2024 in Nature Communications veröffentlicht wurde. Die Forscher verwendeten Hochgeschwindigkeits-Stereovideografie unter natürlichen Bedingungen und Bewegungserfassungssysteme im Labor, um die dreidimensionalen Flugbahnen von Insekten in der Nähe von künstlichem Licht zu rekonstruieren.
Das Ergebnis widersprach der einfachen Idee, dass Insekten einfach auf die Lampe zielen.
Sie flogen überwiegend nicht direkt zur Lichtquelle. Stattdessen neigten sie während des Fluges systematisch die Rückenseite ihres Körpers in ihre Richtung. Dadurch war ihre Bewegung oft nahezu senkrecht zur Richtung zur Lampe.
Die Forscher beschrieben drei charakteristische Szenarien: Kreisen um das Licht, abruptes Ansteigen mit Geschwindigkeitsverlust und Umkippen mit anschließendem Sturz. Solche Flugbahnen konnten auch in einem Computermodell reproduziert werden, in dem das Insekt einfach versuchte, ständig die Rückenseite zur Lichtquelle zu drehen.
Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Störung der dorsalen Lichtreaktion das beste Modell ist, um die seltsamen Flüge von Insekten in unmittelbarer Nähe von künstlichem Licht zu erklären.
Und eine letzte Klarstellung ist hier wichtig. Die Forscher behaupten nicht, dass dieser Mechanismus alles erklärt. In der Arbeit wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie nicht untersucht hat, warum Insekten aus großer Entfernung zur Lichtquelle gelangen können. Dort könnten auch andere Mechanismen wirken.

Und was ist mit dem Mond?

Die Hypothese über den Mond entstand nicht aus dem Nichts.
Nachtinsekten können tatsächlich himmlische Orientierungspunkte zur Navigation nutzen. Daher entstand die Idee, dass sie einen bestimmten Winkel zu einer sehr fernen Lichtquelle – zum Beispiel dem Mond – beibehalten. Da dieser extrem weit entfernt ist, ermöglicht diese Methode, die Flugrichtung ungefähr beizubehalten.
Wenn jedoch anstelle des Mondes eine nahe Lampe als Orientierungspunkt dient, ändert sich die Geometrie. Theoretisch könnte der Versuch, ständig denselben Winkel zu ihr zu halten, die Flugbahn des Insekts verwirren.
Die Flüge, die in der erwähnten Studie von 2024 aufgezeichnet wurden, entsprachen jedoch nicht gut diesem Modell. Die Forscher beobachteten nicht die erwartete systematische spiralförmige Annäherung an das Licht. Darüber hinaus konnten die Insekten während der Experimente ändern, von welcher Seite des Körpers sie die Lichtquelle hielten, was ebenfalls schlecht mit dem einfachen Modell eines himmlischen Kompasses übereinstimmt.
Deshalb kann die Erklärung „der Schmetterling hält die Lampe für den Mond“ heute nicht mehr als universelle Antwort betrachtet werden. Gleichzeitig schließen die Autoren der Arbeit nicht aus, dass die himmlische Navigation in anderen Situationen, insbesondere auf größere Entfernungen, von Bedeutung sein könnte.

Vielleicht zieht die Wärme die Insekten an?

Das ist eine weitere intuitive Erklärung, besonders wenn man an Schmetterlinge denkt, die in die Flammen geraten.
Doch auch die Wärme erklärt nicht das charakteristische Verhalten in der Nähe von Lampen. Die Autoren derselben Arbeit weisen darauf hin, dass ein ähnliches Verhalten auch bei LED-Quellen auftritt, die im Vergleich zu Flammen oder Glühlampen sehr wenig Infrarotstrahlung abgeben.
Außerdem ändert sich die Flugbahn entsprechend der Position des Lichts, was besser mit visueller Orientierung als mit dem einfachen Streben, sich der Wärme zu nähern, übereinstimmt.

Warum einige Lampen mehr Insekten anziehen als andere

Insekten sehen die Welt nicht so wie Menschen. Die Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen Wellenlängen variiert zwischen Arten und sogar großen taxonomischen Gruppen, sodass die Farbe und das Spektrum der künstlichen Beleuchtung von Bedeutung sind.
Zum Beispiel zeigte eine Feldstudie aus dem Jahr 2023, dass kurzwelliges blaues Licht insgesamt mehr Insekten anzog als grünes oder rotes, obwohl die Reaktionen verschiedener Gruppen deutlich unterschiedlich waren.
Ein ähnliches Bild ergab auch eine Studie, die 2025 in Insect Conservation and Diversity veröffentlicht wurde. In diesem Experiment wurden Schmetterlinge am stärksten von ultraviolettem Licht angezogen, während Zweiflügler auch stark auf blaues und grünes Licht reagierten. Rotes Licht zog insgesamt weniger Insekten an.
Deshalb gibt es keine einfache Regel wie „Insekten mögen die Farbe Blau“. Wichtig sind sowohl die Wellenlänge als auch die Helligkeit, die Art des Insekts und die Umweltbedingungen.

Und dennoch fliegt nicht jedes Insekt zu jeder Lampe

Selbst die Formulierung „Insekten fliegen zum Licht“ vereinfacht die Realität etwas.
Verschiedene Arten reagieren unterschiedlich auf künstliches Licht. Selbst in der Studie von 2024 gab es Ausnahmen: Einige Insekten konnten unter bestimmten Laborbedingungen über eine helle Lichtquelle fliegen, ohne das charakteristische Umkippen oder Kreisen.
Die Reaktion hängt von der Art, dem Spektrum und der Intensität des Lichts, seiner Position, der Umgebungsbeleuchtung und wahrscheinlich dem physiologischen Zustand des Insekts selbst ab.
Deshalb klingt die moderne Erklärung interessanter als das alte „der Schmetterling denkt, die Lampe ist der Mond“.
Künstliches Licht schafft eine Situation, für die das Orientierungssystem der Insekten nicht angepasst ist: der hellste Teil der Welt kann plötzlich zur Seite oder sogar nach unten sein.
Und eine gewöhnliche Glühbirne auf der Terrasse kann dem Insekt tatsächlich die falsche Richtung „nach oben“ anzeigen.

Warum das nicht nur für Insekten an der Lampe wichtig ist

Das Problem der künstlichen nächtlichen Beleuchtung ist viel umfassender als nur einige Schmetterlinge am Fenster.
Eine Übersicht über wissenschaftliche Daten, veröffentlicht in Biological Conservation, verbindet künstliches Licht in der Nacht mit Störungen der Bewegung, Ernährung, Entwicklung und Fortpflanzung von Insekten sowie mit einer Veränderung des Risikos, von Raubtieren gefangen zu werden. Die Autoren betrachten Lichtverschmutzung als einen der Faktoren, die zur Verringerung der Insektenpopulationen beitragen können.
Das bedeutet nicht, dass jede Lampe unvermeidlich allen Insekten gleichermaßen schadet. Der Umfang des Effekts hängt von Spektrum, Helligkeit, Richtung des Lichts, Betriebsdauer und lokalen Arten ab. Deshalb werden heute nicht nur die Farben der Lampen, sondern auch deren Abschirmung und Lichtausrichtung untersucht. Insbesondere zeigen Experimente zur Ausrichtung künstlicher Beleuchtung, dass die Reduzierung von überflüssiger Lichtstreuung die Anzahl der Insekten, die sich um Lampen versammeln, erheblich verringern kann.
Und hier gibt es eine gewisse Ironie. Mindestens ein Teil der Insekten gerät in die Falle bei unseren Lampen nicht, weil künstliches Licht für sie so anziehend ist. Das Problem ist ein sehr altes und unter natürlichen Bedingungen nützliches Orientierungssystem: die helle Seite der Welt sollte normalerweise oben sein.

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